Größenberatung & Passform • 7 Min. Lesezeit • März 2026
Körpermaße richtig nehmen und die passende Konfektionsgröße wählen
Der Unterschied zwischen Körpermaßen und Fertigmaßen, wie du Mehrweite (Bequemlichkeitszugabe) berechnest und deine Nähgröße bestimmst.
Wichtigste Kernpunkte auf einen Blick
- Wähle deine Schnittmustergröße niemals nach der gewohnten Kaufgröße im Einzelhandel, sondern immer nach deinen aktuellen Zentimeter-Maßen.
- Miss in Unterwäsche oder eng anliegender Kleidung, stehe entspannt aufrecht und halte das Maßband stets parallel zum Boden.
- Unterscheide zwischen Körpermaßen (eng am Körper gemessen) und Fertigmaßen (inklusive Bequemlichkeitszugabe des Kleidungsstücks).
- Wenn deine Maße zwischen zwei Größen liegen, wähle bei Oberteilen die Größe passend zur Oberweite und zeichne bei Bedarf einen fließenden Größenübergang zur Taille.
1. Grundregeln für fehlerfreies Maßnehmen am Körper
Die häufigste Ursache für unpassende Kleidung beim Selbernähen ist die falsche Größenwahl. Die Konfektionsgrößen im Bekleidungshandel (z. B. 38, 40, M oder L) sind nicht normiert und variieren von Marke zu Marke erheblich. Schnittmusterhersteller arbeiten dagegen mit präzisen Maßtabellen nach handwerklichen Schneiderregeln.
Beachte beim Maßnehmen:
• Trage die Unterwäsche, die du später auch unter dem fertigen Kleidungsstück tragen möchtest (z. B. den passenden BH).
• Halte das Maßband locker um den Körper, ohne die Haut einzuschnüren oder das Band durchhängen zu lassen.
• Das Maßband muss rundherum waagerecht parallel zum Fußboden verlaufen.
• Am besten lässt du dir beim Messen von einer zweiten Person helfen, da das Vorbeugen oder Verdrehen vor dem Spiegel die Messergebnisse verfälscht.
2. Die drei Kernmaße: Oberweite, Taillenweite und Hüftweite
Für die meisten Damen- und Herrenschnittmuster sind drei Hauptmaße ausschlaggebend:
• Oberweite / Brustumfang (Bust): Führe das Maßband über die stärkste Stelle der Brust, waagerecht unter den Achselhöhlen hindurch und über die Schulterblätter am Rücken.
• Taillenweite (Waist): Miss an der schmalsten Stelle des Rumpfes. Tipp: Binde ein schmales Gummiband um die Taille und bewege dich kurz – das Band rutscht automatisch an die natürliche Taillenlinie.
• Hüftweite / Gesäßumfang (Hip): Miss an der stärksten Stelle des Gesäßes, etwa 18–22 cm unterhalb der Taillenlinie. Achte im Profil darauf, dass das Maßband die stärkste Wölbung erfasst.
3. Körpermaße vs. Fertigmaße: Die Bequemlichkeitszugabe (Mehrweite)
Ein häufiges Missverständnis unter Nähanfängern ist die Verwechslung von Körpermaßen und Fertigmaßen:
• Körpermaße (Body Measurements): Die reinen, ungedehnten Maße deines Körpers.
• Fertigmaße (Finished Garment Measurements): Die Maße des fertig genähten Kleidungsstücks.
Die Differenz zwischen beiden ist die Bequemlichkeitszugabe (Ease). Bei undehnbarer Webware benötigt ein Kleidungsstück mindestens 4–6 cm Mehrweite an der Brust, damit man darin bequem atmen und die Arme bewegen kann. Ein locker fallendes 'Relaxed Top' kann sogar 15–25 cm Mehrweite aufweisen. Bei elastischer Maschenware (Jersey) ist die Mehrweite oft negativ, da sich der Stoff dehnt und eng am Körper anliegen soll.
4. Was tun, wenn man zwischen zwei Größen liegt?
Fast niemand entspricht exakt den Standard-Maßen einer einzigen Konfektionsgröße. Wenn deine Oberweite beispielsweise einer Größe 38 entspricht, deine Hüfte jedoch einer 42, schneide nicht einfach blind Größe 40 zu.
• Für Oberteile und Kleider: Richte dich nach der Oberweite, da die Schulterpartie und der Halsausschnitt am schwierigsten anzupassen sind. Zeichne die Seitennaht ab der Taille sanft geschwungen zur größeren Hüftgröße hin aus (Gradieren).
• Für Hosen und Röcke: Richte dich immer nach dem stärksten Hüft- und Gesäßmaß und passe den Bund an der Taille individuell an.
5. Das Probestück (Toile / Nesselmodell)
Wenn du ein neues Schnittmuster zum ersten Mal nähst, lohnt sich das Anfertigen eines Probestücks aus günstigem Baumwollnesselstoff oder alter Bettwäsche. So erkennst du Passformprobleme wie Zugfalten oder Längenkorrekturen, bevor du deinen teuren Originalstoff zuschneidest.