Zuschnitt & Materialkunde • 8 Min. Lesezeit • März 2026
Stoffwahl, Fadenlauf und Zuschnitt für Nähanfänger
Webware vs. Maschenware/Jersey, den Fadenlauf bestimmen, Stoffe im Stoffbruch zuschneiden und Fehler beim Zuschnitt vermeiden.
Wichtigste Kernpunkte auf einen Blick
- Wasche und bügle deinen Stoff vor dem Zuschnitt immer vor, um späteres Einlaufen des fertigen Kleidungsstücks zu verhindern.
- Richte den Fadenlauf-Pfeil auf dem Schnittteil immer exakt parallel zur festen Webkante (Selvedge) des Stoffes aus.
- Achte auf die Beschriftung 'Im Stoffbruch': Schnittteile mit dieser Kennzeichnung dürfen an der Bruchkante keinesfalls zerschnitten werden.
- Prüfe vor dem ersten Schnitt, ob im Schnittmuster die Nahtzugaben bereits enthalten sind oder noch manuell angezeichnet werden müssen.
1. Webware oder Maschenware: Den richtigen Stoff für das Projekt finden
Bevor du zur Schere greifst, musst du die Stoffart deines Schnittmusters prüfen. In der Schnittmusterwelt gibt es zwei grundlegende Kategorien:
• Webware (Woven Fabric): Entsteht auf dem Webstuhl durch das rechtwinklige Verkreuzen von Kett- und Schussfäden (z. B. Leinen, Popeline, Denim, Viskose-Webware). Webware ist in Längs- und Querrichtung stabil und dehnt sich nicht (es sei denn, sie enthält Elasthan).
• Maschenware (Knit Fabric): Wird aus Maschen gestrickt oder gewirkt (z. B. Baumwolljersey, French Terry, Sweat, Interlock). Maschenware ist naturgemäß dehnbar und anschmiegsam.
Ein Schnittmuster, das für dehnbaren Jersey konstruiert wurde, kann nicht aus fester Webware genäht werden – das Kleidungsstück wäre zu eng und man käme nicht hinein.
2. Den Fadenlauf verstehen und parallel zur Webkante ausrichten
Auf fast jedem Schnittteil findest du eine durchgezogene Linie mit Pfeilen an beiden Enden: die Fadenlauflinie (Grainline). Sie gibt vor, wie das Schnittteil auf den Stoff gelegt werden muss.
• Der Fadenlauf verläuft immer parallel zur festen Webkante (Selvedge) des Stoffes.
• Nimm ein festes Lineal und miss an zwei verschiedenen Punkten des Pfeils den genauen Abstand zur Webkante. Beide Abstände müssen auf den Millimeter identisch sein.
• Wird der Fadenlauf ignoriert und der Schnitt schräg aufgelegt, verzieht sich das fertige Kleidungsstück nach der ersten Wäsche: Seitennähte wandern unschön nach vorne und T-Shirts drehen sich am Körper.
3. Was bedeutet „Im Stoffbruch zuschneiden“?
Viele Vorder- und Rückenteile sind spiegelsymmetrisch konstruiert. Um Papier zu sparen und garantiert symmetrische Teile zu erhalten, werden diese Schnittteile nur zur Hälfte gezeichnet und tragen den Vermerk 'Im Stoffbruch' (Cut on fold).
• Falte den Stoff der Länge nach rechts auf rechts (oder links auf links) zusammen, sodass die beiden Webkanten exakt aufeinanderliegen.
• Die so entstehende geschlossene Falzkante nennt man 'Stoffbruch'.
• Lege die gerade Kante des Schnittteils haargenau an diese Bruchkante an. Achtung: An der Bruchkante darf KEINE Nahtzugabe hinzugefügt werden und die Bruchkante darf niemals aufgeschnitten werden!
4. Nahtzugaben (NZG) und Saumzugaben: Wo sie enthalten sind
Die Nahtzugabe ist der Abstand zwischen der Schnittkante des Stoffes und der eigentlichen Stepplinie (Nahtlinie).
• Enthaltene Nahtzugabe: Bei vielen modernen Schnittmustern ist die Nahtzugabe (üblicherweise 1,0 cm oder 1,5 cm, sowie 2,5 bis 3 cm am Saum) bereits in den Schnittlinien eingezeichnet. Du schneidest das Schnittteil exakt an der Außenlinie zu.
• Nicht enthaltene Nahtzugabe: Historische Schnitte oder traditionelle Schnittkonstruktionen enthalten oft keine Nahtzugabe. Hier musst du vor dem Schneiden mit Kreide oder einem Kopierrädchen rundherum 1,5 cm Nahtzugabe parallel zur Schnittkante anzeichnen.
5. Werkzeugtipps: Rollschneider, Schneidematte und scharfe Scheren
Verwende zum Zuschneiden niemals eine gewöhnliche Haushaltsschere, die den Stoff anhebt und verzieht. Eine hochwertige Schneiderschere mit abgewinkeltem Griff liegt flach auf dem Tisch auf und sorgt für saubere Schnittkanten.
Noch schneller und präziser gelingt der Zuschnitt mit einem Rollschneider (z. B. 45 mm Klingendurchmesser) und einer selbstheilenden Schneidematte. Beschwere das Papierschnittmuster mit Nähgewichten (oder Unterlegscheiben aus dem Baumarkt) statt Nadeln, um Löcher in feinen Stoffen zu vermeiden, und fahre mit dem Rollschneider zügig an der Kontur entlang.